Kapitel 3: KI & Ausblick rechnen seit 80 Jahren schneller als jeder Mensch. Sprachmodelle können inzwi- schen so viel Wissen verarbeiten wie kein Mensch. Ich frage mich, worauf wir warten. Die KI ist in vielerlei Hinsicht längst viel besser als wir, und zwar in den Dingen, die sie gut kann. Und warum müssen wir immer noch mit Gewalt versuchen, ihr auch noch beizubringen, wie wir denken, „Die KI ist in vielerlei Hinsicht längst viel besser als wir, und zwar in den Dingen, die sie gut kann.“ Mads Pankow nämlich leider extrem unlogisch, sehr ineffizient. Aber: Wir haben ein Bewusst- sein, wir können reflektieren, wir wissen um die Existenz der Welt. Das zeichnet uns Menschen aus und dadurch können wir andere Lösungen finden. Maschinen haben das nicht, sie verarbeiten nur Nullen und Einsen. Wir haben mit Künst- licher Intelligenz sehr viel möglich ge- macht, aber die Frage des Bewusstseins, also einer Selbst- und Fremdreflexion, der Weltverarbeitung und das Wissen um die Existenz der Welt – da gibt es überhaupt keinen Fortschritt. DiFü-News: Es gibt viele Debatten darüber, dass Künstliche Intelligenz Stereotype reproduziert, weil die Daten für die KI eben von Menschen eingespeist werden. Kannst du etwas dazu sagen, wie KI uns als Gesell- schaft vielleicht den Spiegel vorhält? Mads Pankow: Das ist eine großartige Frage. Meiner Meinung nach ist die Ge- schichte der KI und der Algorithmen eine kontinuierliche Kränkung des Menschen. Vorher galt der Mensch als logisch denken- des Wesen als hohes Ideal der Philosophie: Doch rational denken, besser rechnen und logisch denken, das können Computer schon lange viel besser als wir. Außerdem müssen wir uns, genau, wie du gesagt hast, damit auseinandersetzen, dass, wenn ein Computer von Menschen lernt, er vor allem auch Rassismen, Chauvinismen und Vorurteile lernt. Dass unsere Kreativität, die wir vorher für einen göttlichen Funken gehalten haben, in verschiedenster Art und Weise durch einen Computer abzubilden ist, ist eine große Enttäuschung. Genauso wie die Annahme, dass wir wissen, was richtig und falsch ist – wenn wir versuchen, das einem Computer beizubringen, stellen wir fest, dass Ethik nicht eindeutig ist. Es gibt viele Graubereiche. Das heißt nicht, dass sie falsch ist, aber das entzaubert das Ver- ständnis von richtig und falsch, bis hin zur gesellschaftlichen Konstruktion. Stellen wir uns vor, dass wir einen Rechtsspre- chungscomputer bauen, der die Gesell- schaft überwacht. Was macht das mit einer Gesellschaft, wenn jedes Vergehen geahn- det wird? Unser Rechtssystem basiert zwar auf der Idee, dass wir alle gleich sind und dass wir alle jederzeit geahndet werden müssten. Das passiert dann aber nicht, denn unser Rechtssystem baut darauf, dass es immer Variationen und Interpreta- tionen von Menschen mit Entscheidungs- spielräumen gibt. Ich will das Recht nicht lächerlich machen, es ist richtig und gut. Aber es funktioniert anders, als wir uns das vorgestellt haben. DiFü-News: Welche Auswirkungen kann das haben? Mads Pankow: Es gibt Regionen auf der Welt, in denen man Künstliche Intelligenz weniger kritisch sieht. Es gibt eine chinesi- sche Stadt, in der die Ampeln mit Sprüh- systemen ausgestattet sind. Wer bei Rot über die Ampel geht, wird nass gesprüht. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, was diese Automatisierung der Ahndung und dieses Nudging der Bevölkerung, hin zu einem erwünschten Verhalten, bedeutet. Im Moment sagen wir hier: Das ist bevor- mundend, das trainiert die intrinsische Motivation zu gerechtem Verhalten ab, weil man überall überwacht wird. Ja, ist